Achtung Tier

Beitrag in „Der Zug ist voll – die Schweiz im Dichtstress“ von Thomas Haemmerli und andere:

(…) Sie nimmt ihre Tasche zähnefletschend vom Sitz. Wie eine Raubkatze im Käfig rutscht sie unruhig auf ihrem Sitz umher und schaut mich wiederholt aggressiv an. Ich aber sitze absolut normal auf meinem Platz, geradezu überanständig. Fräulein Rottenmeier wäre in vollster Weise zufrieden mit mir gewesen. Und gestunken hab ich auch nicht, das soll hier klar und deutlich gesagt sein. (…)

der zug ist voll.die schweiz im dichtestress. text achtung tier

https://keinundaber.ch/de/literary-work/der-zug-ist-voll/

Die Landschaft ist schneller

Die Landschaft ist schneller – ein Text über eine Arbeit von Michael Günzburger

(…) Günzburger nimmt diese Sisyphusarbeit fast gelassen auf. Wie er sich konsequent und in Sekundenschnelle von seinen soeben entstandenen Zeichen und Zeichnungen löst und sie der Öffentlichkeit hergibt, ohne Nachkorrektur und vor Augen aller, zeugt von Demut, könnte man meinen: Ja, die Landschaft ist schneller. Aber da betreibt einer auch ein Spiel mit leisem subversivem Schalk: Denn wo ursprünglich Dürers Scheibe dem Erfassen und Nachkonstruieren der Wirklichkeit diente, eine fix installierte Einrichtung, um Raum und Perspektive auf Glas zu bannen, dient Günzburgers Scheibe dem Loslassen und Auflösen von Raum. (…)

dr bus vu chur

hätti sötti wetti

„hätti sötti wette – schnöde u chlööne uf Bärndütsch“ – meine ersten 33 von über 100 Mundartkolumnen für den KLEINEN BUND:

Vorwort von Alexander Sury, Redaktor der Kleine Bund https://www.derbund.ch/kultur/buecher/Sie-schnoedet-und-ist-weder-Fisch-noch-Vogel/story/29725577?track

I bi i Sache Mundart weder Fisch no Vogu». Mit diesem entwaffnenden Eingeständnis hat Renata Burckhardt im Herbst 2009 in ihrer allerersten «Bund»-Mundart-Kolumne den gestrengen Mundart-Puristen und Hütern des reinen Berndeutsch den Wind aus den Segeln genommen und sich als bunten Dialekt-Mischling vorgestellt – getreu dem Motto: Ist der Ruf gleich zu Beginn ruiniert, schreibt es sich fortan wunderbar ungeniert.

Aus Kolumne Nr. 3: (…) Es heissi Pflotsch, nid Pflötsch, het ihm d Ursle gseit. Pflotsch sig ersch Pflotsch, wenns richtig viu Wasser im Schnee drinne heig. Pflotsch giebs auso, wenns heig i Schnee ine gschiffet. Gnauergno gäbs Pflotsch ersch, wenn sig gsauze worde. Denn wärd jede Fuessabdruck zum ne chlyne Tümpu. „Ach so, Schneematsch“, het dr Bernd drufabe gseit. Nei, Schneematsch entschtündi äbä ohni ds Sauze, sondern nume dürs Matschigloufe. U das sig äbä Matsch, nid Pflotsch. Matsch sig aber nid öppe ds Glyche wie dr Mätsch. Zwar chönns bym ne Mätsch o Matsch gä, aber sicher e ke Pflotsch. (…)

hätti sötti wetti

https://www.zytglogge.ch/buchprogramm/mundart/?tx_gishop_pi1%5Bpuid%5D=859

Café Monolog

Eine Erzählung über fiese weibliche Kräfte in Schiller, remixed

„Judith war eine Provokation. Man schaute ihr nach, obwohl ihre Nase gebogen, ihre Augen zu klein waren. Sie war nicht hübsch. Aber ihr Gang war, als bewege sie sich durch eine unbekannte Epoche, in der Raum und Zeit unwichtig waren. Sie glitt durch den Alltag, für den sie sich in keiner Form zu interessieren schien. Daniel war anders. Er liebte es, Menschen kennen zu lernen. Seine Leidenschaft und Begeisterung galt dem ungewissen Zustand zwischen zwei Fremden. Wenn alles noch offen stand. Und somit noch alles möglich war. Als Judith und er sich kennen lernten, liess ihn seine Erfahrung das stets Richtige tun. Er hatte eine Begabung dafür. Judith fühlte sich von ihm geschätzt und nicht zu Unrecht. Sie fühlte sich verstanden und nicht zu Unrecht. Sie fühlte sich geradezu erkannt. Es dauerte drei Tage, als er sie zum ersten Mal küsste.“

drehpunkt. schiller remixed. text cafe monolog

https://www.zvab.com/buch-suchen/titel/drehpunkt-die-schweizer/autor/hrsg/